1. Ein paar einleitende Worte … …

1. Vorwort

Auf den folgenden Seiten soll die Technik und das soldatische Leben der Altwarper 231. Fla.-Raketenabteilung in Auszügen dargestellt werden.

Die Technik der Fla.-Raketenkomplexe wie z. B. "BERKUT", "DWINA" und "WOLCHOW" ist die Technologie der 1950ziger Jahre. Miniaturröhren, Widerstände, Kondensatoren und Spulen kennzeichnen die auf herkömmliche Art und Weise verdrahtete Technik. Halbleitertechnik und gedruckte Schaltungen fanden noch keinen Eingang in die damaligen technische Lösungen. Jedoch wurde der Übergang von der analogen zur digitalen Schaltungstechnik in den letzten Entwicklungsstufen der 1970ziger Jahren teilweise realisiert. Die hier gezeigten praktischen Grundschaltungen entstammen der Originalliteratur. Auch wenn die gegenwärtige Radartechnik der damaligen "meilenweit" voraus ist, stellt sie nur eine folgerichtige technische Entwicklung dar.

Uns wurde gelehrt: Diese Technik ist die modernste sowjetische Kampftechnik. Oft zweifelten wir daran, als wir sahen, wie die Kanoniere der Startbatterie die 14t schweren Startrampen manuell unter großem Kraftaufwand in Marschlage brachten oder umgekehrt.

1958 besaß ich das 1. Transistorradio, ein kleiner UKW- Überlagerungsempfänger - ein "Sternchenradio" des VEB "Robotron" Dresden. Diese Widersprüche gaben natürlich zu denken und nährten Zweifel. Schließlich aber relativierte sich diese Anschauung. Als modern muss die Technik angesehen werden, mit der die jeweiligen Streitkräfte in die Lage versetzt werden, "moderne" gegnerische Luftangriffsmittel unter allen Bedingungen bekämpfen zu können. Das war zweifellos theoretisch der Fall! Bedingung: höchster Ausbildungsstand der Truppen.
Die "Gegenseite" war äquivalent ausgestattet.

Bis 1989 wusste die Öffentlichkeit in der DDR wenig über die Fla.-Raketenabteilungen, selbst in Standortnähe wohnenden Einwohner besaßen nur wenige Kenntnisse darüber. Man sah die Raketen zwar zu Truppenparaden am 1. Mai vorbeifahren, trotzdem war alles streng geheim. Heute noch gibt es verschiedenlich die Meinung, in den Wäldern um Altwarp seien "Atomraketen" stationiert gewesen. Das sind aber Gerüchte!

Das erste mal sah ich 1962 während meines Studiums in Pinnow (Angermünde) eine solche Rakete. Wir wurden damals als Flakoffiziere ausgebildet und hatten damit selbst wenig zu tun. Was sich dort hinter dem "hohen Bretterzaun" tat, blieb auch uns Offiziersschülern verborgen.
Wir waren die "Pulverhui's", während sich die anderen mit einem gewisses "Eliteimage" umgaben.

Erst 1965, nachdem ich anderthalb Jahre als Meßzugführer in einer 57mm Flakbattrie gearbeitet hatte, wurde ich nach einer Umschulung als Obertechnikers (Obertechniker war eine Dienststellung bis zum Dienstgrad Hauptmann) zu den Fla-Raketen versetzt. Mein erstes System war das System: "I" - Indikatori (Anzeigesystem) in der Kabine "UA" (Uprawlenie Apparatura). Es war die Sichtgeräte- Anzeige- und Steuerkabine der Fla.-Raketenleitstation.

Die Umstellung fiel nicht sonderlich schwer. Die Geschützrichtstation (GRS-9A) in einer Flakbatterie war auch eine Radarstation geringer Reichweite im Dezimeterwellenbereich. Basierend auf Röhrentechnik, waren viele Grundschaltungen ähnlich realisiert wie bei der Leitstation. Schon 1966 konnte ich am Gefechtsschießen der Abteilung in Aschuluk teilnehmen. Später kamen weitere Systeme dazu. 1972 erfolgte die Umschulung auf das Fla.-Raketensystem S-75 "WOLCHOW" in der UdSSR. Als Batteriechef der Startbatterie beendete ich meinen aktiven Dienst 1986.

Geblieben ist das Interesse an dieser "alten" Technik. Nichts von damals ist mehr geheim. Und so lässt sich verfolgen wie weit die Ursprünge zurückreichen und wie interessant und widerspruchsvoll diese Entwicklung verlief.

J. Neumeister

 
Zuletzt geändert: 19.03.12 | Design phpCMS, http://www.phpcms.de | Impressum | nach oben